Vorlesungen zur Geschichte der Französischen Literatur, by Erich Köhler

By Erich Köhler

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Karl ruft Gott um Hilfe an und zieht den Sarazenen entgegen. Bis in die Nacht hinein dauert die furchtbare Schlacht. Karl stößt auf Baligant. Als der 46 Kaiser, von Baligants Hieben getroffen, schwankt, sendet Gott ihm einen Engel zu Hilfe, der Kaiser rafft sich auf und spaltet Baligant den Kopf in zwei Hälften. Eigentlich ist das unfair. Aber es gilt, was der Christenheit nützt. Das ist der Sieg. Marsilius gibt seinen bösen Geist und seine Frau die Stadt Saragossa auf, wo Karl das Heidentum mit Feuer, Schwert, Tauf- und Weihwasser vertilgen läßt.

Auflage 1955, enthalten. Er zeigt, daß die Auffassung, die militia saecularis sei der Inbegriff eines gottfernen Weltlebens, nicht mehr aufrechtzuerhalten war, nachdem die Kirche sich zunehmend selber feudalisierte, nachdem immer mehr Bischöfe und Äbte als Lehensherren auftraten. Seit der Jahrtausendwende ist eine Überbrückung des Gegensatzes festzustellen, das heißt der Kriegerberuf wird allmählich christianisiert. Als der Feudalismus bei gleichzeitiger Schwächung der Königsgewalt zu einem ständigen Krieg aller gegen alle ausartete und jeder Baron mit seinen Nachbarn in Fehde lag, entstand unter der reformistisch gesinnten Geistlichkeit die Gottesfriedensbewegung, die durch Einführung der Treuga Dei wenigstens für bestimmte Zeiträume im Jahr die blutigen Fehden unterband.

Die ältesten überlieferten chansons de geste – das Rolandslied und wahrscheinlich das Epos von Gormond et Isambart – setzen in ihrer uns vorliegenden Gestalt den Geist der Kreuzzüge voraus. Das heißt, wir haben die spezifische Form einer mili35 tanten Religiosität vor uns, die vor dem ersten Kreuzzug eigentlich nicht existiert haben kann. Wenn es also ein Lied oder mehrere Lieder von Rolands Kampf und Tod und Karls des Großen Spanienzug schon früher gab – und daran ist heute kaum mehr zu zweifeln –, dann müssen diese Lieder wesentlich anders ausgesehen haben als die älteste uns überlieferte Version dieses Stoffes, die eben diesen Kreuzzugsgeist voraussetzt.

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