Vorlesungen zur Geschichte der französischen Literatur, by Erich Köhler

By Erich Köhler

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Höhle des Schweigens

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Lamettrie hat diesen Gedanken nicht zu Ende gedacht. Aber ein anderer hat es getan, und zwar mit unerbittlicher Konsequenz: der Marquis de Sade. Glück für den Menschen, so stellt er fest, kommt nur zustande durch den Vergleich mit dem geringeren Glück des anderen Menschen, ja: höchstes Glück erwächst nur aus dem Unglück, dem Elend anderer. Wer zielbewußt auf eigenes, höchstes Glück hinarbeitet, muß Böses tun, die Mitmenschen zu Opfern, zu Sklaven machen. Sades Protagonisten handeln entsprechend.

Der Vorwurf, den schon einige Zeitgenossen erhoben, daß er in seinen Eléments de la philosophie de Newton nichts Neues, sondern nur einen vulgarisierenden Aufguß biete, trifft ins Leere. Gleichwohl war es richtig und geistreich, wenn ein Zeitgenosse den Untertitel des Werks in diesem Sinne variierte. Voltaire hatte sein Buch überschrieben: »Eléments de la philosophie de Newton, mis à la portée de tous« – und der Kritiker wandelte ab: »mis à la porte de tous«. 42 Die Anregung zu dem Buch kam von der wackeren Marquise du Châtelet, die eine vorzügliche Kennerin der Naturwissenschaften und eine begeisterte Anhängerin Lockes war.

Die réflexion unterscheidet zwischen angenehmen und unangenehmen Eindrücken, weckt mithin die Gefühle von Lust und Unlust. Das Gefühl der Lust erzeugt Bedürfnis, das Bedürfnis: Verlangen. Aus dem Verlangen entspringen die Leidenschaften: Liebe, Haß, Furcht und Hoffnung. Das Verlangen, den Leidenschaften zu folgen, bewirkt aber bereits den Willen, mit dem andererseits schon die Vorstellungen des Guten und des Schönen, aber auch des Bösen und des Häßlichen verbunden sind. Aus Leidenschaften und Wille aber ergeben sich – durch Vergleich und Urteil – auch der ästhetische und der moralische Wille.

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