Die Bergpredigt: Utopie oder Programm? (6. Auflage) by Pinchas Lapide

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Zwei Einsichten schwingen hier stillschweigend mit: daß wir »Mitarbeiter Gottes« sind (1 Kor 3,9), wie Paulus gut rabbinisch betont; Mitarbeiter, die, wenn sie »nicht mit der Zunge, sondern in Werk und Wahrheit lieben« (lJoh 3,18), auf die Gegenliebe Gottes bauen dürfen. « So heißt es in Psalm 27,4 - wobei es nicht um eine überflüssige Wiederholung geht, sondern um ein zweigleisiges Erheischen, das dem Gebet die Tat hinzugesellt, um sich der Erhörung würdig zu erweisen. Kein Jude glaubt, er könne Gottes Gnade durch fromme Leistung verdienen; einige Rabbinen meinen jedoch, man könne sie vielleicht in Demut und in Liebestaten erdienen.

Wenn in der wehmütigen Rückschau auf die Katastrophe vom Jahre 70 der Mangel an dieser» besseren« Gerechtigkeit für die ZerstörungJ erusalems verantwortlich gemacht wurde, so war es die Fülle eben dieses altruistischen Recht-Schaffens, die für Jesus, ein Menschenalter zuvor, als Wegbereiter des himmlischen J erusalem erachtet worden ist. Wenn also Jesu Himmelreich-Strategie in der radikalen Verwirklichung der Liebesgebote lag, war seine Heilstaktik in der »besseren Gerechtigkeit« zu finden, die die Methode liefern sollte, um vorerst alle zwischenmenschlichen Feindseligkeiten aus der Welt zu schaffen.

Noch weiter geht die Moral folgender Talmudperikope, die besagen will: Lieber sterben als beschämen. »Rabbi Jochanan sagte im Namen Rabbi Schimons, Jochais Sohn: Es ist einem Menschen dienlicher, sich selbst in einen feurigen Brennofen fallen zu lassen, als das Gesicht seines Gefährten vor den Vielen erbleichen zu lassen. Woher lernen wir das? Von Tamar; denn es steht geschrieben (Gen 38,25): Tamar ließ sich lieber zum Verbrennen hinausführen, als daß sie ihren Schwiegervater öffentlich beschämt hätte.

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